Gott erwählt, was in den Augen der Welt schwach ist - Bericht von Ruben Sill
- Philippus-Dienst

- vor 2 Tagen
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In der vergangenen Woche (Anfang August 2026) war ich in Israel unterwegs. Auf meinen Reisen durch das Land durfte ich langjährige Freunde und Partner wiedersehen, neue Gemeinden und Projekte kennenlernen und vielen Menschen begegnen, die Jesus im Herzen tragen. Was mich besonders bewegt hat:
Für viele von ihnen sind Versöhnung und die Einheit im Leib Christi keine bloßen Schlagworte. Sie sind ein Herzensanliegen, das sie in großer Demut und Hingabe leben. Bestehende Beziehungen konnten vertieft und neue, wertvolle Kontakte geknüpft werden.

Eine ganz besondere Begegnung hatte ich in einer äthiopischen Gemeinde. Unter äthiopischen Juden, aber auch unter Israelis mit russischem Hintergrund, ist ein bemerkenswerter geistlicher Aufbruch zu beobachten. Im Gespräch mit dem Pastor einer Gemeinde in Jerusalem wollte ich wissen, warum gerade so viele junge Menschen offen für den Glauben an Yeshua sind.
Er erklärte mir, dass es für die junge Generation stark um die Frage der eigenen Identität gehe. Viele sind als Kinder oder Jugendliche mit ihren Eltern nach Israel gekommen – aus Ländern und Kulturen, in denen sie wegen ihres Jüdischseins Ausgrenzung erfahren haben, so wie in Äthiopien oder in der Sowjetunion. Mit der Einwanderung nach Israel war die Hoffnung verbunden, endlich anzukommen und selbstverständlich zum jüdischen Volk zu gehören.
Doch auch in Israel erleben manche von ihnen Ablehnung und werden wie Juden zweiter Klasse behandelt. Das ist schmerzhaft und erniedrigend: Sie haben ihre Herkunftsländer verlassen, weil sie dort als Juden ausgegrenzt wurden, und müssen nun ausgerechnet im jüdischen Staat erneut um Anerkennung und Zugehörigkeit ringen.
Gerade für die jungen Menschen stellt sich die Identitätsfrage besonders dringlich. Viele ihrer Eltern sprechen nur wenig Hebräisch und bleiben deshalb häufig innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft. Die junge Generation hingegen wächst in der israelischen Gesellschaft auf und ringt mit grundlegenden Fragen: „Wo gehöre ich hin? Wer bin ich?“
Zugleich erleben äthiopische Juden immer wieder Ausgrenzung. Manche werden mit dem Begriff „Kushi“ bezeichnet. Ursprünglich verweist dieses Wort auf das biblische Land Kusch, das mit dem heutigen Äthiopien in Verbindung gebracht wird. Heute wird es jedoch teilweise als rassistische Beleidigung gebraucht.
Viele junge Menschen leben deshalb in einer schmerzhaften Spannung zwischen unterschiedlichen Kulturen und Zugehörigkeiten. Einige geraten in schwierige Beziehungen oder suchen in Drogen und anderen zerstörerischen Wegen nach Halt und Anerkennung.
Doch genau hier zeigt sich ein Wesenszug Gottes. In 1. Korinther 1,27–29 schreibt Paulus, dass Gott das erwählt, was in den Augen der Welt töricht und schwach erscheint, um das vermeintlich Weise und Starke zu beschämen. Er wendet sich den Übersehenen und Erniedrigten zu, richtet sie auf und macht durch ihr Leben seine Kraft sichtbar. Gott schenkt Erweckung.

Diese jungen Menschen kommen mit Yeshua, dem Messias, in Berührung – und die Veränderung ist sichtbar. Er spricht ihnen nicht nur einen besonderen Wert zu, sondern schenkt ihnen eine neue und tragfähige Identität:
In ihm werden sie zu Söhnen und Töchtern Gottes.
Diese Botschaft befreit. Sie stellt Würde wieder her. Sie schenkt Hoffnung und neues Leben. In der Begegnung mit diesen jungen Gläubigen war eine innere Freude zu spüren, die sich kaum zurückhalten ließ und geradezu aus ihnen heraussprudelte. Diesen Aufbruch erleben wir vor allem bei russischsprachigen und äthiopischen Gemeinden.
In vielen äthiopischen Gemeinden liegt das Durchschnittsalter bei Anfang zwanzig oder sogar darunter. Die Lebendigkeit dieser jungen Gläubigen zieht auch Menschen aus anderen Bevölkerungsgruppen an. Die Gemeinde, die ich in Jerusalem besuchen durfte, plant derzeit die Gründung einer weiteren Gemeinde im Großraum Tel Aviv.
Es ist bewegend zu sehen, wie Yeshua unter Menschen wirkt, die Ausgrenzung und Erniedrigung erlebt haben. Er führt sie in eine neue Freiheit und schenkt ihnen eine Identität, die ihnen niemand nehmen kann.
Gerade in denen, die in den Augen anderer als schwach oder unbedeutend gelten, lässt Gott seine Kraft und Herrlichkeit sichtbar werden.
Dieser Aufbruch ist ein starkes Zeichen der Hoffnung – für die äthiopische und russischsprachige Gemeinschaft, für Israel und für den gesamten Leib Christi im Land.
Ruben Sill, Philippus-Dienst








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